Interview mit Dmitriy Samohin

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Dmitriy Samohin ist ein weiterer großartiger Tätowierer aus Osteuropa...
...der zeigt, dass große Kunst eben nicht nur in Galerien hängt sondern heute auf der Haut getragen wird.

 

 

 

Der 33 jährige Ukrainer fällt vor allem mit seinem Farbrealismus auf und hat für mich die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk wieder einmal völlig verzerrt. Was der in Odessa lebende Tatooartist hier zeigt, ist einfach nicht mehr nur real, sondern hyperreal.

Interview:

Kannst du dich uns Vorstellen?
Dimitry Samohin, 33 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Odessa, Ukraine.
Das Studio in dem ich Arbeite heißt „Euphoria“.
Ich tätowiere seit mehr als 10 Jahren.

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Was sind deine bevorzugten Tattoo Stile und warum?

Oriental, Japanese, New School, Realistic.
Ich mag Komplexität im Detail und in Farben, was jeder Stil nachweisen kann.

Was und wie war dein erster Kontakt zur Tattoowelt?
Mein erstes Tattoo Magazin hielt ich beim Militär in der Hand. Damals entschied ich mich Tätowierer zu werden. Meine erste Tattoomaschine entstand auch zu dem Zeitpunk.

Kannst du uns etwas über deine Kindheit erzählen?
Ich hatte eine normale Kindheit. In meiner Freizeit machte ich Kunsthandwerk oder Sport.

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Wie wurdest du zu einem professionellen Tattooartist? Hast du eine klassische Lehre gemacht?

Ich bin ein autodidaktischer Künstler. In unserem Land gibt es keine weitere Unterstützung wenn du dein Studium weiter führen willst.
Alles was ich weiß habe ich mir selber beigebracht.

Hattest du einen künstlereichen Hintergrund in derer Familie?
Soweit ich weiß waren da keine künstlereichen Hintergründe in meiner Familie.

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Was bedeutet ein Tattoo für dich persönlich?
Alles... Kunst ist mein Leben und ich drücke mich am liebsten durch Malereien und Tattoos aus.
Es gibt tolle Sachen in unserem Portfolio aber die Eskimo und Indianer Motive sind besonders überwältigend.

Hast du irgendwelche Beziehungen zu diesen Kulturen?
Ich Interessiere mich für Portraits und die „Tribes“ habe eine menge Farben und Details die ich gerne erkunden würde.

Gibt es Stile in denen du nicht arbeiten würdest?
Nein, ich versuche bloß von der „Gewalt“ in Tattoos fern zu bleiben.

Arbeitest du außer mit Haut auch auf anderen Medien?
Zur Zeit nicht.

Woher bekommst du deine Inspirationen?
Meistens finde ich meine Inspiration im alltäglichen Leben, durch Bilder, Malereien, andere Künstler, Sparziergänge, Natur....

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Welche andere Künstler oder Künste inspirieren dich und warum?
Sean Barber, Victor Portugal, Robert Hernandez, Zhivko, Boris aus Ungarn, Mike Demasi, Joshua Carlton, Phil Garcia und viele mehr...
Sie alle machen eine Interessante und faszinierende Arbeit. Ich finde es interessant sich Kunst anderer anzusehen. Manchmal inspiriert es mich.

Wie wichtig ist Kunst in deinem Leben?
Kunst ist mein Leben.

Was war deine erste Maschine?
Im Militär hab ich meine erste Tattoomaschine gebaut. Danach hab ich eine Weile in einer Fabrik gearbeitet und mit einem Freund angefangen Maschinen herzustellen.

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Welche Materialien benutzt du heute?
Dragonfly – Intenze Ink- Ich benutze keine bestimmte Marke der Nadeln sondern probiere verschiedene aus. Ich bin ein Fan der Dragonfly und der Intenze Farben, habe aber immer noch nicht mein Favoriten gefunden.

Arbeitest du Ausschließlich mit Intenze?
Für mich hat „Intenze Ink“ die größte Farbauswahl. Sie machten viele Studien um die beste Tinte für die Haut herzustellen, auch mit Rücksicht auf allergische Haut.

Was ist deine Meinung wenn man Rotary und Coil Maschinen vergleicht?
Momentan arbeite ich zwar mit der „Dragonfly“, bin da aber nicht festgelegt. Ich möchte immer einer andere, bessere Maschine um damit Tattoos zu machen. Ich mag Coil, ich mag Rotary aber die zwei sind aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit nicht miteinander zu vergleichen. Im Moment zieh ich die Rotary Maschine vor.

Kannst du uns etwas von deiner Technik erzählen? Wie gehst du bei einem Hyper-realistischen Tattoo vor?
Ich habe keine bestimmte Technik, die ändere ich jedes mal. Es Hängt von dem Bild ab und dem Design des Tattoos. Ich schaue, ich gestalte und es bleibt niemals das Gleiche.

Wir sehen eine Menge Änderungen durch neue Techniken, mehr Informationen und bessere Materialien in der Tattoowelt. Wo siehst du Positive und Negative Aspekte in dieser Entwicklung?
Ich mag die Entwicklung im Tattoogeschäft. Es ist immer gut neue Sachen auszuprobieren, wenn sie die Arbeit verfeinert ist es eine gute Sache. Jeder muss im Stande sein, das für ihn beste Material zu finden. Desto größer die Auswahl ist, desto besser ist es für jeden Künstler sich auf dem besten Wege zu entwickeln.

Es wird viel über realistische Tattoos und wie lange sie auf der Haut halten gesprochen.
Was ist deine Meinung zu dem Thema und welche Vorbereitungen triffst du um deinem Motiv die längst mögliche Lebensdauer zu gewährleisten?

Als Künstler benutze ich die bestmögliche Tinte um für die schönste Farbe zu sorgen. Es ist bekannt, dass weiße Haut sich für realistische Tattoos besser eignet als dunkle oder gebräunte Haut. Die Farben sind viel leuchtender und man kann auch alle Farben benutzen. Ich kläre meine Kunden auf so gut es geht.
Regel No. 1:  Dein Tattoo nicht der Sonne aussetzen.
Die Sonne ist der größte Feind von realistischen Farbtattoos. Wie lange ein realistische Farbtattoo gut erhalten bleibt hängt von der Person ab. Das „Giger Tattoo“ wurde vor 2 Jahren gestochen.
Das Bild in meinem Portfolio ist auch 2 Jahre alt und es sieht immer noch toll aus, durch gute Pflege der Haut.

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Beschreibe bitte dein Studio:
Ich teile mir ein Studio mit Leuten, die sich um Nagelpflege und Piercings kümmern.
Ich kenne sie seit 10 Jahren und wir respektieren gegenseitig unseren Arbeitsbereich.
Die Musik in meinem Bereich hängt von dem Kunden ab, meiner Stimmung und manchmal lassen wir auch einen Film laufen. Alles ist auf den Komfort des Kunden ausgelegt, sodass er vom Tätowieren abgelenkt wird.

Bietest du außer großartigen Tattoos noch an?
Im Moment habe ich genug Arbeit mit Tattoos, sodass es mein einziger Fokus ist.
Ich liebe die Malerei und auch andere Sachen aber dies wird geschehen wenn ich wieder etwas mehr Zeit finde.

Bist du an anderen Projekten (Bücher, Tutorials, Workshops) beteiligt?
Meine  Arbeit wird in einen der neuen Bücher von Mike Devires „Memento“ und Jinxi in den USA veröffentlicht. Ich bin offen für alle neue Projekte und freue mich neue Grenzen zu entdecken.

Was magst du am meisten an deinem Leben als Tattoo Künstler? Bereust du etwas?
Ich mag es, dass ich das machen kann was ich am meisten liebe. Die Arbeit als Tattoo Künstler.
Ich mag die neuen Herausforderungen und die neuen Erfahrungen. Ich hab aber an einem Tag nicht genug Zeit um alles zu tun was ich gerne tuen würde. Ich hätte gern etwas mehr Zeit zum Malen etc.

Was war dein stolzester Moment bezüglich deiner Arbeit und Kunst?
Ich habe eine menge Stolzer Momente. Ich bin stolz und am glücklichsten wenn ich mein Tattoo abgeheilt sehe und der Kunde sich über das Endresultat freut.

Stell dir eine Welt ohne Tattoos vor. Was würdest du beruflich machen?
Ich kann mir eine Welt ohne Tattoos nicht vorstellen.
Und wenn es eine Welt ohne Tattoos gäbe, wäre ich derjenige der sie erfindet ;-)

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Dmitriy Samohin on Facebook

Zuletzt verändert am Mittwoch, den 28. März 2012 um 10:46 Uhr

Kommentare 3

  • Januar 20, 2013 Daniel M.

    Ich bin jedesmal aufs Neue begeistert wenn ich seine wahrhaftig meisterlichen Werke betrachte !!!
    Klasse find ich auch die Aussage, das er autodidaktisch ist !!! smilies/cool.gif
    Daumen hoch!!!

  • Dezember 29, 2012 Julian Siebert http://www.corpsepainter.com

    Super Bericht von einem Meister seines Handwerks!

  • April 10, 2012 André Zechmann

    Der ist eine Frechheit!!! Unglaublich was der kann!!! Sehr cooles Interview! Weiter so Tattoosoul, das nenn ich interessant!!!


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