Interview mit Oleg Turyanskiy

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Es ist selten...
...das ich einen Künstler finde dessen Arbeiten mich so verzaubern und in den Bann schlagen wie die des reisenden Tattookünstlers Oleg Turyanskiys aus Russland.

 

 

 

 

Der 33 Jahre junge Künstler zeigt vor allem auf dem Gebiet der realistischen Tätowierung große Begabung und arbeitet diese Technik bevorzug in Fantasymotive ein, die nicht nur zur Geltung kommen, sondern auf der Haut zu leben scheinen.

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Seine Figuren ähneln den fantastischen Arbeiten von Comickünstlern wie Gris Grimly und Josh Kirby, als Inspiration nennt Oleg auch Namen wie Stan Winston (Special Effect Artist der Terminator und Predator Filme), Tim Burton und klassische Künstler wie z. Bsp. Vasilij Perov.

Mit dem Wandel des Tattoos von einer gruppenspezifischen Eigenheit zu einer weltweit anerkannten Kunstform, begann auch Oleg in dem Jahr 2000 sich auf professioneller Ebene mit dem Tattoo auseinander zu setzen.

Seitdem ist der reisende Artist in jedem großen Studio der Welt zu finden.

 

Interview:

Stell Dich doch kurz vor:
Hallo, mein Name ist Oleg Turyanskiy. Ich bin ein 34-jähriger Tattoo-Künstler und tätowiere seit 10 Jahren. Seitdem ich denken kann, zeichne ich. Ich wohne in Moskau, Russland.

Was ist Dein bevorzugter Arbeitsstil? Wie würdest Du Deine Arbeiten selbst beschreiben?
Ich bevorzuge es Stile zu mischen, anstatt nur in eine Richtung zu arbeiten. Jedoch halte ich mich fern von grafischen Tattoos. Ich mag Oriental, Realistic aber noch lieber arbeite ich an Tattoos, welche der Fantasy gewidmet sind, so wie Trolle, Goblins und einige Sachen im Cartoon Stil.

Ich bekomme eine Menge Anfragen, wie zum Beispiel: „Ich möchte….in deinem Stil“. Manchmal ist es auch für mich schwierig zu erfassen, was meine Kunden darunter verstehen. Es ist sogar noch schwerer für mich in wenigen Worten etwas über meinen Stil zu erzählen. Ich kreiere gerne Fantasy-Wesen im realistischen Stil.

Was ist Deine Geschichte? Wie bist Du zum Tattoo gekommen?
Ich liebte es schon immer, Dinge zu beobachten und sie auf Papier festzuhalten. Dies war immer das Interessanteste für mich. Im Alter von etwa18 Jahren bekam ich einen großen Schub durch meinen Lehrer, der Bildhauer war (wir haben zusammen in einem Kunst-Studio gearbeitet). Ich bekam die richtige Einstellung zur Kunst und zur Malerei. Ich fühlte mich inspiriert.

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Was war dein erster bewusster Kontakt mit dem Tattoo?
Als ich noch ein Kind war, sah ich einmal einen sehr hässlichen Mann, dessen Arme komplett mit Tattoos bedeckt waren. Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, aber es war irgendetwas sehr Einfaches und schlecht Gemachtes.

Ich weiß noch genau, wie ängstlich ich war. Ich wusste nicht, wie es gemacht war und wie man es nannte. Es war in den Achtzigern, als in Russland nur Leute aus dem Gefängnis Tattoos hatten.

Wie bist Du zum Tätowieren geworden?
Durch Zufall, auf der Suche nach Neuen Medien, wurde mein Hobby zum Beruf.

Wie würdest Du dich als Mensch beschreiben?
Ich denke, dass ich lustig bin, durch Witze und so. Aber zugleich bin ich nervös und wenig gesellig.

Hast Du eine Lehre gemacht?
Nein, ich habe es mir selbst beigebracht.

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Warum fasziniert dich das Thema „Fantasy“ in Deinen Arbeiten so?
Der faszinierendste Teil ist der, welcher Fantasie und Realität trennt.

Mit welchen künstlerischen Medien beschäftigst Du dich noch, neben dem Tattoo?
Ich liebe es, zu malen und zu zeichnen, sogar mehr als das Tätowieren. Unglücklicherweise habe dafür keine Zeit mehr, seitdem ich fast ausschließlich Designs für Tattoos vorbereite.

Wie ist denn der Stand von „Fairytale creatures“ und arbeitest Du noch an ähnlichen Projekten?
Das Fairytale Creatures Tattoo Sketchbook ist fertig und nun erhältlich. Ich plane bald, an einigen anderen Sketchbooks zu arbeiten.

Wen würdest Du als Inspiration für Deine Arbeiten nennen?
Ich könnte Tausende Namen nennen, all die Größen der Tattoo-Szene, Maler wie Michelangelo und viele andere. Das Inspirierende an ihnen ist ihr Arbeitsvermögen.

Wo kommt Deine Motivation her, was gibt Dir täglich Kraft?
Filme, Musik, Bücher, Reisen, Geschichten – andere Sachen

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Was bedeutet Kunst für Dich persönlich?
Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Ich mag es einfach und es macht mir Freude. Ich mag das meditative Gefühl, das ich beim Arbeiten habe.

Was für Hobbys und Leidenschaften hast Du noch neben dem Tattoo?
Ich mag es Filme zu schauen, Bücher zu lesen, mit meinem Fahrrad zu fahren und gutes Essen, besonders Chinesisch. Ich denke, das ist nichts Außergewöhnliches.

Welches sind deine Top 5 Filme?
The Thin Red Line, The Proposition, Big Lebowski, Good Fellas, There Will Be Blood.

Deine Lieblingsautoren?
Ja, ich lese viel und das sehr gerne. Ich bevorzuge Klassiker. Ich hab keinen speziellen Autor aber ich mag Dostoevskiy, Tolstoi, Chehov.

Was genau treibt Dich dazu immer on the road zu sein?
Ich möchte nur die Dinge um mich herum neu und interessant gestalten. Und mich erfrischt und geistig ausgeruht fühlen.

Planst Du irgendwann sesshaft zu werden?
Wer weiß. Ich denke darüber noch nicht nach.

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Wie kriegst Du Familie und Job unter einen Hut?
Ich arbeite mit meiner Frau im gleichen Laden. Wir stehen auf, frühstücken, gehen zur Arbeit, dann gehen wir nach der Arbeit wieder nach Hause, essen zu Abend und gehen Schlafen. So läuft jeder Tag.

Was ist Dir am Arbeitsplatz am wichtigsten?
Das Wichtigste ist keinen Hunger zu haben, nette Musik und ruhige Kunden, die still sitzen.

Arbeitest Du lieber Freihand auf dem Körper als mit Stencil?
Es kommt auf die Gestaltung an. Zum Beispiel würde ich kein Porträt Freihand malen.

Was für Tattoos trägst Du selbst?
Ich habe nicht wirklich viele und keine, auf die ich Stolz sein könnte. Das einzige Tattoo, das ich habe ist ein erst zu 80 Prozent fertiger Polynesischer Sleeve. Ich habe es stechen lassen, um andere kleinere Tattoos zu überdecken, die mir nicht mehr gefallen haben. Eines davon war ein biomechanischer Wurm, das andere ein Tribal.
Falls ich mich jemals dazu entscheide mir noch eins zu machen, denke ich es wird noch ein Sleeve, farbig und orientalisch basiert.

Gibt es etwas was Du am Tätowieren nicht magst?
Schade, dass Tattoos mit der Zeit verblassen. Farben bleiben nicht so leuchtend, wie sie einst  waren. Dass ich nicht so viele Details auf die Haut bringen kann, wie auf Papier, ärgert mich.

Wie sah Dein Anfangsequipment aus?
Ich habe nie etwas anderes probiert als Coil Maschinen.
Wenn ich mich richtig erinnere, war meine erste Maschine eine Micky Sharpz Hornet.

Mit welchem Material arbeitest Du aktuell?
Haha, zu einfach. Das ist ein großes Geheimnis. Aber die 7er und 9er Magnum verwende ich bei jedem Tattoo.

Hast Du schon Erfahrungen mit den neuen Rotary Maschinen gemacht?
Ich habe sie mal ausprobiert. Nach dieser Erfahrung hatte ich nicht das Bedürfnis die Coil Maschine einzutauschen.

Erfahrungen auf das Tattoobezogen die Du noch machen möchstest?
Einige Kooperationen.

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Gab es Zeiten wo Du an Deiner Arbeit gezweifelt hast oder alles hinschmeißen wolltest?
Ja, hatte ich. Ich habe solche Gedanken auch heute noch von Zeit zu Zeit. Alles wegen komplizierten Klienten, die ich manchmal bekomme, nicht weil ich keine Lust auf´s Tätowieren habe oder Ähnliches.

3 Dinge die Du bis zum Ende deines Lebens noch machen möchtest?
Ich würde gerne den Everest besteigen, einmal um die Welt reisen und ins Weltall fliegen.

Was sind Deine No-goes auf das Tattoo bezogen?
Ich würde nie solche extreme Sachen machen, wie auf das Gesicht oder die Augenlieder zu tätowieren.

Ich habe gelesen, das Du ein UFO gehen hast. Welche Geschichte steckt hinter diesem Erlebnis?
Das war beim Paradise-Gathering 2009. Ich stand mit meiner Frau draußen am Eingang der Convention nach einem Arbeitstag. Plötzlich sahen wir beide dieses sehr ungewöhnliche, aus dem Nichts kommende Licht über den Bergen, welche den Ort umgaben.

Das Licht hatte die Form einer Pyramide und endete mit einer harten Kante an der horizontalen Linie ohne einen Verlauf ins Dunkle. Es war intensiv und die Leuchtkraft in der Pyramide war gleichmäßig.
Einige Minuten später wurde das Licht schwächer, bis es komplett verschwunden war. In der Nähe standen noch ein paar andere Leute aber die waren betrunken oder so.

Sie sahen die Lichter auch, lachten, waren auch überrascht aber ich glaube sie waren in dem Moment unter solchem Einfluss von Alkohol, dass sie sich später nicht daran erinnern konnten. Ich kann die Sache gut beschreiben, da ich kein Alkohol trinke, Gras rauche oder Ähnliches. Dies war also keine Vision unter Drogeneinfluss.

Ich und meine Frau fanden keine Erklärung, was es sein könnte, und entschieden, dass es ein U.F.O war.

Contact:
www.turyanskiy.com/
E-mail

 

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Zuletzt verändert am Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 12:22 Uhr

Kommentare 1

  • February 23, 2012 Denis

    Sehr sehr schöne sachen , selbst beigebracht , ich geh in die Knie ;-)


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